
Eine aufmerksame Leserin hat uns auf den Artikel von Inga Hofmann im Tagesspiegel vom 27. März 2025 aufmerksam gemacht und uns gebeten, eine Medienkritik dazu zu verfassen – ein Wunsch, dem wir gerne nachgekommen sind. Als Plattform für offenen Dialog kritisieren wir einseitige Berichterstattung, besonders wenn sie frauenfeindliche Narrative unterstützt, wie die Idee, Frauen und Mädchen hätten keinen Anspruch auf fairen Sport. Unsere Analyse zeigt, wo der Artikel aus unserer Sicht die Debatte verkürzt. Wenn Sie sich der Kritik anschließen wollen, besteht die Möglichkeit diesen Text über ihr E-Mail-Programm an die Redaktion des Tagesspiegels zu senden. Ergänzen Sie bitte ihren Namen.
Liebe Frau Hofmann,
Als Dialogplattform "Was ist eine Frau?" setzen wir uns mit mangelnder oder einseitiger Berichterstattung auseinander, insbesondere wenn Artikel frauenfeindliche Ansichten verbreiten, wie etwa die Vorstellung, Frauen und Mädchen hätten kein Recht auf fairen Sport. Ihr Artikel1 im Tagesspiegel vom 27. März 2025 kritisiert die Einführung verpflichtender Geschlechtertests für Frauen in der Leichtathletik als diskriminierend und rückschrittlich. Wir hinterfragen, wie Geschlecht im Frauensport definiert wird, und analysieren Ihren Text kritisch. Leider bleibt Ihre Argumentation einseitig, emotional aufgeladen und lässt wesentliche Perspektiven vermissen. Wir möchten Ihnen zeigen, wo Ihr Artikel aus unserer Sicht mangelhaft ist.
Sie stellen die Geschlechtertests als „Generalverdacht“ gegen Frauen dar und vergleichen sie mit den demütigenden „Zertifikaten der Weiblichkeit“ aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Motivation des Weltverbands, die Frauenkategorie zu schützen, erwähnen Sie, tun sie aber als vorgeschoben ab. Dabei fehlt eine Auseinandersetzung mit sportpolitischen Gründen, etwa der Debatte um Leistungsvorteile von Männern. Stattdessen fokussieren Sie einseitig auf die vermeintliche Demütigung der Athletinnen, was emotional wirkt, aber die Diskussion verkürzt. Wir bei "Was Ist Eine Frau?" fragen: Warum klären Sie nicht, dass das Geschlecht im Sport eine wichtige Rolle spielt und kein subjektiver Gemütszustand ist?
Ein zentraler Mangel Ihres Artikels ist die Auslassung relevanter Perspektiven. Zum Beispiel zeigen historische Daten wie die Umfrage des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) von 19962, dokumentiert in den Archiven des Atlanta History Centers, dass über 80 % der befragten Athletinnen Geschlechtertests zur Sicherung der Fairness im Frauensport befürworteten. Die Tests, entwickelt unter Leitung von Dr. Louis J. Elsas, zielten darauf ab, das männliche Geschlecht auszuschließen. Diese Perspektive hätten Sie einbeziehen können, um die Debatte ausgewogener darzustellen.
Eine weitere ausgelassene Perspektive ist die direkte Erfahrung von Athletinnen mit Geschlechtertests. Die ehemalige britische Schwimmerin Sharron Davies, eine Olympiateilnehmerin und mehrfache Medaillengewinnerin (u.a. Silber 1980 im 400-Meter-Individuell-Lagen) sowie bekannte Sportkommentatorin, unterstützt solche Tests. Sie sagte: „Ich habe 1976 einen Geschlechtstest gemacht. Er dauerte 10 Sekunden. Viel weniger aufdringlich als ein Covid-Test. Wattestäbchen an der Innenseite meiner Wange. Meine Kleidung blieb an! Einmal im Leben … weil wir das Geschlecht nicht ändern können.“3 Davies betont die Einfachheit und Unaufdringlichkeit aus erster Hand, was Ihre Darstellung der Tests als demütigend relativiert. Ihre Stimme hätte Ihrer Argumentation eine wichtige Nuance hinzufügen können.
Ihr Artikel ignoriert die Auswirkungen von Gesetzen wie dem Selbstbestimmungsgesetz in Deutschland sowie ähnlicher Regelungen in anderen Ländern. Diese ermöglichen die Ausstellung staatlich gefälschter Dokumente auf Abruf, die das Geschlecht nach subjektivem Wunsch ändern. Solche Dokumente können keine verlässliche Grundlage mehr bilden, um zu bestimmen, wer in der weiblichen Kategorie antreten darf. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit solcher Tests, um Fairness im Frauensport zu gewährleisten – ein Aspekt, den Sie nicht berücksichtigen.
Ihre Aussage, die Tests sollten „trans und intergeschlechtliche Personen von vornherein ausschließen“, und dass diese „ohnehin seit einigen Jahren nicht mehr zugelassen“ seien, ist grob irreführend. Alle Menschen sind geschlechtsspezifisch – männlich oder weiblich –, auch jene mit einer proklamierten „Transidentität“ oder objektiv nachweisbaren Geschlechtsentwicklungsstörungen, die Sie als „intergeschlechtlich“ bezeichnen. Ihre Formulierung bleibt geschlechtsneutral und verschleiert, dass ausschließlich das männliche Geschlecht vom Frauensport ausgeschlossen wird, unabhängig davon, ob es sich um Männer mit Geschlechtsentwicklungsstörungen oder „Transidentitäten“ handelt. Diese können selbstverständlich in ihrer eigenen Geschlechtsklasse antreten, weshalb von einem „grundsätzlichen Ausschluss“ keine Rede sein kann. Besonders problematisch ist Ihr Verweis auf Caster Semenya als vermeintlichen Beleg. Semenya ist männlichen Geschlechts mit einer Geschlechtsentwicklungsstörung, die ausschließlich beim männlichen Geschlecht vorkommt.4 Er durchlief eine männliche Pubertät und ist Vater von zwei Kindern. Seine Leistungen im Frauensport resultieren aus männlichen Vorteilen, weshalb sein Ausschluss aus der Frauenkategorie gerechtfertigt ist. In der männlichen Kategorie könnte er antreten, würde dort jedoch kaum Erfolge erzielen, da seine Leistung nur im Vergleich zu Frauen herausragt. Diese Differenzierung hätten Sie klarstellen müssen.
Ihre Wortwahl ist stark wertend: „Generalverdacht“, „demütigend“ oder „Mottenkiste“ sollen die Leser empören. Der historische Vergleich ist rhetorisch geschickt, aber irreführend, da nicht-invasive Tests nicht mit den teilweise fragwürdigen Praktiken von damals gleichzusetzen sind. Zudem polarisieren Sie, indem Sie „unterdrückte Frauen“ gegen „Männer, die über ihre Köpfe hinweg entscheiden“, stellen. Dabei ignorieren Sie, dass auch Frauen in Sportgremien mitwirken.
Ihr feministischer Ansatz kritisiert zu Recht Probleme wie schlechte Bezahlung oder übergriffige Trainer. Doch diese Punkte wirken wie ein Ablenkungsmanöver, da sie kaum mit den Geschlechtertests zusammenhängen. Die Aussage von Verbandschef Sebastian Coe, Männer seien eine „Bedrohung“ für den Frauensport, tun Sie als unbegründet ab, obwohl Ihnen als Sportredakteurin klar sein müsste, dass das männliche Geschlecht gegenüber dem weiblichen einen Leistungsvorteil hat. "Was ist eine Frau?" fragt: Warum führen Sie die Debatte um Fairness im Frauensport nicht ernsthaft? Ihr Text wirkt mehr wie eine moralische Verurteilung als wie eine sachliche Analyse.
Sie erwähnen nicht, dass Geschlechtertests historisch eingeführt wurden, um Betrug auszuschließen. Auch die Frage, wie der Frauensport ohne klare Kategorien fair bleiben kann, bleibt ausgeklammert. Ihre Opfererzählung weckt Mitgefühl, bietet aber keine Lösungen. "Was ist eine Frau?" fordert: Medien sollten diese Debatte differenziert darstellen. Ihr Artikel liefert jedoch keine Grundlage, um die Debatte zu verstehen, sondern setzt auf eine einseitige moralische Position.
Liebe Frau Hofmann, Ihr Artikel ist ein leidenschaftlicher Appell, der die Geschlechtertests als Angriff auf Frauen darstellt. Als "Was ist eine Frau?" kritisieren wir, dass Sie die Frage „Was ist eine Frau?“ im Sportkontext nicht ernsthaft angehen und stattdessen eine Opfererzählung bedienen. Eine ausgewogene Berichterstattung hätte die Perspektiven von Athletinnen, sowie Sportverbänden einbezogen und Lesern zu einer eigenen Bewertung ermächtigt. So bleibt Ihr Text ein emotionales Plädoyer, das aus ideologischen Gründen bewegt, aber nicht informiert.

In unserem Offenen Brief zu dem Artikel "Weibliche Vorbilder: 7 Frauen, die uns inspirieren" in Women's Health weisen wir kritisch auf eine Berichterstattung hin, die Männer als sportliche Vorbilder für Frauen und Mädchen darstellt. Männer, die im Männersport nur mittelmäßig sind, können in Frauensportmannschaften beachtliche Erfolge erzielen und Frauen ihre Siege nehmen. Geschlecht zählt im Sport und im Sport muss klar sein, was und wer eine Frau ist.
Sehr geehrte Frau Brunke,
wir, die Frauenrechtsgruppe "Was ist eine Frau?", setzen uns für die geschlechtsbasierten Rechte von Frauen und Mädchen ein. Mit Interesse verfolgen wir die Inhalte von Women’s Health, einem Magazin, das sich der Gesundheit und Fitness von Frauen verschrieben hat und dabei eine wichtige Rolle als Inspirationsquelle für junge Leserinnen spielt. Umso größer war unsere Bestürzung, als wir in Ihrem Artikel „Weibliche Vorbilder: 7 Frauen, die uns inspirieren“ (veröffentlicht am 5. März 2025) auf die Vorstellung von Rodrigo „Tiffany“ Abreu als „weibliches“ Vorbild stießen.
Unser Anliegen ist es, auf die Frauenfeindlichkeit darin hinzuweisen, jungen Frauen in einem Magazin wie Women’s Health einen Mann als Vorbild zu präsentieren – einen Mann, der sich als „transgender“ bezeichnet und dessen sportliche Leistungen auf körperlichen Vorteilen beruhen, die Frauen nicht teilen. Dies wirft grundlegende Fragen auf:
Wie kann ein Magazin, das sich der Förderung von Frauengesundheit und Fitness widmet, die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Sport ignorieren, sobald ein Mann behauptet, kein Mann zu sein? Und warum wird jungen Leserinnen suggeriert, sich an männlichen Vorbildern im Sport zu orientieren, deren Errungenschaften aufgrund dieser Unterschiede für sie unerreichbar bleiben?
Rodrigo Abreu, der mehrere Jahre als durchschnittlicher Spieler im Herrenvolleyball aktiv war, spielt nun in der brasilianischen Frauen-Superliga und hat dort den Rekord für die meisten Punkte in einem einzigen Spiel aufgestellt. Diese Leistung ist jedoch kein Beweis für weibliche Stärke oder Empowerment, sondern vielmehr das Ergebnis männlicher körperlicher Vorteile – wie größere Muskelmasse, höhere Knochendichte und eine überlegene Sprungkraft –, die im Leistungssport entscheidend sind. Hinzu kommt, dass das Netz im Frauenvolleyball tiefer hängt als im Männerbereich (2,24 Meter gegenüber 2,43 Meter), was Abreus Vorteil noch verstärkt, da er mit seiner männlichen Sprunghöhe über ein niedrigeres Hindernis agiert. Indem Abreu in der Frauenliga spielt, nimmt er einer Frau den Platz in der Mannschaft und setzt seine Mitspielerinnen sowie Gegnerinnen einem erhöhten Verletzungsrisiko aus.
Sportlerinnen kämpfen zudem mit Herausforderungen, die Männer nicht kennen – etwa der Menstruation, die ihre sportliche Leistung durch Schmerzen, Hormonschwankungen beeinflussen kann. Diese Erfahrung prägt das Leben und die Karriere von Frauen im Sport auf eine Weise, die Abreu weder nachvollziehen noch teilen kann.
Hat die Redaktion auch an die Frauen der gegnerischen Mannschaften gedacht? Finden diese es fair, gegen einen Mann anzutreten, dessen körperliche Vorteile die Bedingungen des Spiels verzerren?
Es gibt unzählige inspirierende Frauen im Sport – von herausragenden Volleyballerinnen wie Destinee Hooker, die sich nach der Geburt ihres Kindes aus dem Profisport zurück zog, bis hin zu Pionierinnen im Frauenfußball wie Marta Vieira da Silva –, die trotz struktureller Benachteiligungen und Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts außergewöhnliches geleistet hat. Warum wurde stattdessen ein Mann ausgewählt, dessen Teilnahme im Frauensport nicht nur die Integrität der Kategorie infrage stellt, sondern auch junge Leserinnen in die Irre führt?
Junge Frauen und Mädchen, die Ihre Zeitschrift lesen, verdienen Vorbilder, die ihre Realitäten widerspiegeln – Vorbilder, die zeigen, was Frauen trotz der Hindernisse erreichen können, die ihnen aufgrund ihres Geschlechts oft im Wege stehen, einschließlich der physischen Herausforderungen ihres Körpers. Indem Sie Abreu als „weibliches Vorbild“ präsentieren, wird nicht nur die Definition von Weiblichkeit ad absurdum geführt, sondern auch die harte Arbeit und die Errungenschaften von Sportlerinnen entwertet, die sich in einer Kategorie beweisen, die für sie geschaffen wurde.
Wir appellieren an Sie und das Team von Women’s Health, die Verantwortung gegenüber Ihren Leserinnen ernst zu nehmen. Die Förderung von „Female Empowerment“ sollte nicht bedeuten, Männer in den Mittelpunkt zu stellen, die auch noch zu unrecht im Frauensport dominieren, sondern Frauen und Mädchen zu stärken, stolz auf ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu sein. Wir bitten Sie, in Zukunft Inhalte zu schaffen, die die körperliche Realität und die spezifischen Herausforderungen von Frauen und Mädchen im Sport anerkennen und feiern – ohne dabei junge Leserinnen mit unerreichbaren Maßstäben zu manipulieren oder die Errungenschaften von Frauen zugunsten männlicher Athleten zu opfern.
Wir würden uns über eine Antwort und einen Dialog freuen, um gemeinsam zu besprechen, wie Medien wie Women’s Health dazu beitragen können, echte weibliche Vorbilder zu fördern und den Frauensport zu schützen.