Offener Brief an Elisa Brunke, Redakteurin von Women’s Health

In unserem Offenen Brief zu dem Artikel "Weibliche Vorbilder: 7 Frauen, die uns inspirieren" in Women's Health weisen wir kritisch auf eine Berichterstattung hin, die Männer als sportliche Vorbilder für Frauen und Mädchen darstellt. Männer, die im Männersport nur mittelmäßig sind, können in Frauensportmannschaften beachtliche Erfolge erzielen und Frauen ihre Siege nehmen. Geschlecht zählt im Sport und im Sport muss klar sein, was und wer eine Frau ist.

Sehr geehrte Frau Brunke,

wir, die Frauenrechtsgruppe "Was ist eine Frau?", setzen uns für die geschlechtsbasierten Rechte von Frauen und Mädchen ein. Mit Interesse verfolgen wir die Inhalte von Women’s Health, einem Magazin, das sich der Gesundheit und Fitness von Frauen verschrieben hat und dabei eine wichtige Rolle als Inspirationsquelle für junge Leserinnen spielt. Umso größer war unsere Bestürzung, als wir in Ihrem Artikel „Weibliche Vorbilder: 7 Frauen, die uns inspirieren“ (veröffentlicht am 5. März 2025) auf die Vorstellung von Rodrigo „Tiffany“ Abreu als „weibliches“ Vorbild stießen.

Unser Anliegen ist es, auf die Frauenfeindlichkeit darin hinzuweisen, jungen Frauen in einem Magazin wie Women’s Health einen Mann als Vorbild zu präsentieren – einen Mann, der sich als „transgender“ bezeichnet und dessen sportliche Leistungen auf körperlichen Vorteilen beruhen, die Frauen nicht teilen. Dies wirft grundlegende Fragen auf:

Wie kann ein Magazin, das sich der Förderung von Frauengesundheit und Fitness widmet, die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Sport ignorieren, sobald ein Mann behauptet, kein Mann zu sein? Und warum wird jungen Leserinnen suggeriert, sich an männlichen Vorbildern im Sport zu orientieren, deren Errungenschaften aufgrund dieser Unterschiede für sie unerreichbar bleiben?

Geschlecht zählt im Sport, denn Frauen- und Männerkörper unterscheiden sich aufgrund ihres Geschlechts

Rodrigo Abreu, der mehrere Jahre als durchschnittlicher Spieler im Herrenvolleyball aktiv war, spielt nun in der brasilianischen Frauen-Superliga und hat dort den Rekord für die meisten Punkte in einem einzigen Spiel aufgestellt. Diese Leistung ist jedoch kein Beweis für weibliche Stärke oder Empowerment, sondern vielmehr das Ergebnis männlicher körperlicher Vorteile – wie größere Muskelmasse, höhere Knochendichte und eine überlegene Sprungkraft –, die im Leistungssport entscheidend sind. Hinzu kommt, dass das Netz im Frauenvolleyball tiefer hängt als im Männerbereich (2,24 Meter gegenüber 2,43 Meter), was Abreus Vorteil noch verstärkt, da er mit seiner männlichen Sprunghöhe über ein niedrigeres Hindernis agiert. Indem Abreu in der Frauenliga spielt, nimmt er einer Frau den Platz in der Mannschaft und setzt seine Mitspielerinnen sowie Gegnerinnen einem erhöhten Verletzungsrisiko aus.

Sportlerinnen kämpfen zudem mit Herausforderungen, die Männer nicht kennen – etwa der Menstruation, die ihre sportliche Leistung durch Schmerzen, Hormonschwankungen beeinflussen kann. Diese Erfahrung prägt das Leben und die Karriere von Frauen im Sport auf eine Weise, die Abreu weder nachvollziehen noch teilen kann.

Hat die Redaktion auch an die Frauen der gegnerischen Mannschaften gedacht? Finden diese es fair, gegen einen Mann anzutreten, dessen körperliche Vorteile die Bedingungen des Spiels verzerren?

Wir fragen uns: Hatten Sie Schwierigkeiten, genügend weibliche Vorbilder zu finden, die die Leistungen, Kämpfe und Triumphe von Frauen authentisch repräsentieren?

Es gibt unzählige inspirierende Frauen im Sport – von herausragenden Volleyballerinnen wie Destinee Hooker, die sich nach der Geburt ihres Kindes aus dem Profisport zurück zog, bis hin zu Pionierinnen im Frauenfußball wie Marta Vieira da Silva –, die trotz struktureller Benachteiligungen und Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts außergewöhnliches geleistet hat. Warum wurde stattdessen ein Mann ausgewählt, dessen Teilnahme im Frauensport nicht nur die Integrität der Kategorie infrage stellt, sondern auch junge Leserinnen in die Irre führt?

Die Botschaft, die hier vermittelt wird, ist für uns zutiefst problematisch.

Junge Frauen und Mädchen, die Ihre Zeitschrift lesen, verdienen Vorbilder, die ihre Realitäten widerspiegeln – Vorbilder, die zeigen, was Frauen trotz der Hindernisse erreichen können, die ihnen aufgrund ihres Geschlechts oft im Wege stehen, einschließlich der physischen Herausforderungen ihres Körpers. Indem Sie Abreu als „weibliches Vorbild“ präsentieren, wird nicht nur die Definition von Weiblichkeit ad absurdum geführt, sondern auch die harte Arbeit und die Errungenschaften von Sportlerinnen entwertet, die sich in einer Kategorie beweisen, die für sie geschaffen wurde.

Wir appellieren an Sie und das Team von Women’s Health, die Verantwortung gegenüber Ihren Leserinnen ernst zu nehmen. Die Förderung von „Female Empowerment“ sollte nicht bedeuten, Männer in den Mittelpunkt zu stellen, die auch noch zu unrecht im Frauensport dominieren, sondern Frauen und Mädchen zu stärken, stolz auf ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu sein. Wir bitten Sie, in Zukunft Inhalte zu schaffen, die die körperliche Realität und die spezifischen Herausforderungen von Frauen und Mädchen im Sport anerkennen und feiern – ohne dabei junge Leserinnen mit unerreichbaren Maßstäben zu manipulieren oder die Errungenschaften von Frauen zugunsten männlicher Athleten zu opfern.

Wir würden uns über eine Antwort und einen Dialog freuen, um gemeinsam zu besprechen, wie Medien wie Women’s Health dazu beitragen können, echte weibliche Vorbilder zu fördern und den Frauensport zu schützen.

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Selbstbestimmungsgesetz abschaffen. Kinder und Jugendliche schützen.

Die Arbeitsgruppen für die Koalitionsverhandlungen haben die strittigen Themen an die sogenannte 19-er Gruppe – die Führung der CDU/CSU und SPD – zurückverwiesen. Dazu gehört unserer Information nach auch das Selbstbestimmungsgesetz. Daher legen wir nach unserem Brief an die AG Frauen einen weiteren Brief nach, der den Schwerpunkt auf die Folgen des Gesetzes für Kinder und Jugendliche legt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

laut unserer Informationen hat es bei den Verhandlungen in der AG Frauen und Familien bisher keine Einigung zwischen CDU/CSU und SPD zur Frage des Selbstbestimmungsgesetzes gegeben1.  Die CDU/CSU hatte die Abschaffung des Selbstbestimmungsgesetzes zu einem wesentlichen Pfeiler ihrer Forderungen vor der Bundestagswahl gemacht. Der Punkt ist auch in Ihrem Wahlprogramm enthalten2. Viele Frauen und Männer, denen Frauenrechte und Kinderschutz wichtig sind, haben die CDU/CSU daher erstmalig gewählt.

In unserem letzten Schreiben3 an Sie haben wir die Problematik der Gesetzgebung für Mädchen und Frauen erläutert. In diesem Schreiben möchten wir Sie noch einmal erinnern, welche Folgen die Gesetzgebung für Kinder und Jugendliche hat.

Der Forschungsstand zu der Frage einer sogenannten „Genderdysphorie“ bei Kindern und Jugendlichen ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass viele europäische Länder Programme einstellen, die Minderjährige in der Vorstellung bestätigen, sie könnten ihr Geschlecht wechseln und jeder Mensch würde über eine angeborene „Genderidentität“ verfügen. Dies bestätigte auch eine Zusammenstellung der wissenschaftlichen Dienste des Bundestags5. Dazu zählen nicht nur hormonelle und chirurgische Eingriffe, sondern auch die Programme, die in Medien, Kitas und Schulen diese Weltanschauung an Kinder und Jugendliche herantragen. Deutschland hängt hier weit zurück und fördert diese Programme weiterhin auf Bundes- und Länderebene.

Eine sogenannte „soziale Transition“ – also die Bestätigung einer Wunsch-„Genderidentität“ und der Wechsel des Vornamens durch das soziale Umfeld – führt in aller Regel dazu, dass Minderjährige keinen Ausstieg mehr aus dieser Vorstellung finden und schließlich schwer invasive und irreversible Körperveränderungen anstreben. Dazu gehört das Stoppen der gesunden Entwicklung zum Erwachsenen über sogenannte Pubertätsblocker, die Einnahme gegengeschlechtlicher Hormone und schwere Eingriffe an den primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen wie bspw. Brustamputation, Hysterektomie und Kastration. In einer vulnerablen Phase ihrer Entwicklung werden diese Eingriffe über Social Media Influencer und Kliniken auf TikTok und Instagram an Kinder und Jugendliche als cool und normal herangetragen. Auch Kita- und Schulprogramme, die über den Aktionsplan „Queer Leben“ ausgerollt werden, sowie die Kinderprogramme des öffentlichen Rundfunks normalisieren diese Entwicklung.

Dabei widersprechen viele dieser Maßnahmen geltendem Recht. Minderjährige werden durch diese Eingriffe in der Regel sterilisiert, obwohl in Deutschland ein Sterilisationsverbot gilt6. Daneben ist auch die Werbung für plastische Operationen mit der Zielgruppe „Kinder und Jugendliche“ seit 2020 rechtswidrig7.   

Es ist durch Studien inzwischen bekannt, dass viele Kinder und Jugendliche, die sich mit ihrem Körper und Geschlecht unwohl fühlen, aus diesem Unwohlsein herauswachsen8. Außerdem ist bekannt, dass diese Kinder überdurchschnittlich häufig:

Die Behauptung, Kinder und Jugendliche wären suizidanfällig, wenn sie nicht in ihrer Vorstellung einer „Genderidentität“ bestätigt werden, ist widerlegt13. Suizidale Minderjährige brauchen professionelle Unterstützung in Form von Therapie, keine Brustamputation14. Im Gegenteil besagen neuere Studien, dass Menschen durch die Eingriffe, die sie den Rest ihres Lebens zu Patienten machen, suizidal werden15.

Unsere Forderungen

Bitte bleiben Sie bei Ihrem Vorhaben, das Selbstbestimmungsgesetz abzuschaffen. Sie sind von vielen aus diesem Grund gewählt worden. Die CDU verliert bereits Zustimmung, weil sie sich an viele Versprechen nicht hält. Bitte bleiben Sie hier bei Ihrem Wort.

Mit freundlichen Grüßen

Die E-Mail geht an die CDU/CSU:

Führende Politiker der SPD sind:


  1. https://www.welt.de/politik/deutschland/article255771650/Koalitionsverhandlungen-Bei-welchen-Themen-es-hakt-Da-liegen-noch-Brocken-vor-uns.html ↩︎
  2. https://www.politikwechsel.cdu.de/sites/www.politikwechsel.cdu.de/files/docs/politikwechsel-fuer-deutschland-wahlprogramm-von-cdu-csu-1.pdf ↩︎
  3. https://was-ist-eine-frau.de/nach-der-wahl/ ↩︎
  4. https://schwulissimo.de/neuigkeiten/geschlechtswechsel-ab-sieben-jahren-spd-queer-fordert-verschaerfung-der-plaene ↩︎
  5. https://www.bundestag.de/resource/blob/977412/5b0215d36950bf3f0a7ae8c79d4ae527/WD-9-064-23-pdf.pdf ↩︎
  6. https://dejure.org/gesetze/BGB/1631c.html ↩︎
  7. https://www.gesetze-im-internet.de/heilmwerbg/__11.html und https://www.gesetze-im-internet.de/heilmwerbg/BJNR006049965.html ↩︎
  8. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5841333/ ↩︎
  9. https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2021.632784/full ↩︎
  10. https://link.springer.com/article/10.1007/s10803-022-05517-y und https://publications.aap.org/pediatrics/article/152/2/e2023061363/192501/Co-occurring-Autism-Spectrum-Disorder-and-Gender?autologincheck=redirected ↩︎
  11. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3289524/ und https://link.springer.com/article/10.1007/s10508-021-02163-w ↩︎
  12. https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/141/5/e20173845/37843/Mental-Health-of-Transgender-and-Gender?redirectedFrom=fulltext ↩︎
  13. https://link.springer.com/article/10.1007/s10508-020-01743-6 ↩︎
  14. https://cass.independent-review.uk ↩︎
  15. https://www.researchgate.net/publication/291340368_Gender_Dysphoria_in_Adults ↩︎

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In unserem Offenen Brief zu dem Artikel "Aus Leonie wird Lio" bemängeln wir sexistische Klischees, Verharmlosung von Essstörungen und Risiken wie Brustbinden und fordern die Medien zu einer verantwortungsvollen und ausgewogenen Berichterstattung auf, die Mädchen und junge Frauen schützt. Der Brief richtet sich an den Landtag Baden-Württemberg, die Deutsche Presse Agentur, die Zeitschrift Der Stern, die Süddeutsche Zeitung und die Redaktionen der Weinheimer Nachrichten, der Odenwälder Zeitung und der Badische Zeitung

Betreff: Kritik an der Berichterstattung im Artikel „Aus Leonie wird Lio: 18-Jähriger ändert Geschlechtseintrag“

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Aktionsgruppe für Frauenrechte "Was Ist Eine Frau?" sehen wir uns veranlasst, auf Ihren Artikel vom 17. März 2025 mit dem Titel „Aus Leonie wird Lio: 18-Jähriger ändert Geschlechtseintrag“ zu reagieren. Wir halten einige Formulierungen und die gesamte Berichterstattung für problematisch und verantwortungslos – insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen auf Mädchen und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Weiblichkeit.

Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die individuellen Erfahrungen oder Entscheidungen einzelner Personen, die in solchen Artikeln porträtiert werden. Vielmehr sehen wir Probleme in der medialen Darstellung dieser Themen, die schädliche Botschaften an ein vulnerables Publikum vermitteln. Wir möchten im Folgenden unsere Bedenken erläutern und aufzeigen, warum wir eine sensible, wissenschaftlich fundierte und verantwortungsvolle Berichterstattung für notwendig halten.

Rückgriff auf sexistische Klischees ohne kritische Reflexion

Ihr Artikel stellt wiederholt auf stereotype Vorstellungen von Mädchen ab, etwa durch die Betonung von Mädchenkleidern oder langen Haaren als vermeintliche Merkmale eines Mädchens. Feministinnen kämpfen seit Jahrzehnten dafür, dass Mädchen selbstbewusst solche Klischees – wie das Tragen von Röcken oder langes Haar – hinter sich lassen können, ohne dass ihre Weiblichkeit infrage gestellt wird. Ein Mädchen, das lieber Ritter spielt oder kurze Haare trägt, bleibt ein Mädchen. Diese Botschaft ist entscheidend, um die individuelle Freiheit und Selbstbestimmung von Mädchen zu fördern.

Mädchen erleben leider heute noch Mobbing, wenn sie diesen durch Medien und Popkultur verstärkten Klischees nicht entsprechen. Sie werden gehänselt, „wie ein Junge“ auszusehen, was ihr Selbstwertgefühl nachhaltig schädigen kann. Ihre unkritische Darstellung solcher Stereotype verstärkt den Druck auf junge Mädchen, bestimmte äußere Merkmale erfüllen zu müssen, um als „echte“ Mädchen anerkannt zu werden. Eine reflektierte Berichterstattung hätte diesen Kontext einbeziehen müssen, um nicht rückwärtsgewandte Klischees zu zementieren.

Verharmlosung von Essstörungen und ihre Folgen

Besonders problematisch finden wir die völlig unkritische Erwähnung einer Essstörung in Ihrem Artikel. Studien belegen, dass Essstörungen – insbesondere bei jungen Mädchen – nicht nur individuelle, sondern auch soziale Ursachen haben. Die wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags haben im September 2024 die aktuelle Studienlage zur „sozialen Ansteckung“ sowie die Einflüsse sozialer Medien in Bezug auf Essstörungen zusammengestellt[1]. Studien des National Institute of Mental Health unterstreichen, dass insbesondere in der Pubertät der Druck, einem bestimmten Körperbild zu entsprechen, Essstörungen wie Magersucht begünstigt[2].Dieses Phänomen, auch bekannt als „Werther-Effekt“, verdeutlicht die Verantwortung der Medien.

Ihr Artikel erwähnt das extreme Hungern bis zum Ausbleiben der Periode ohne jeglichen Hinweis auf die Gefahren. Magersucht entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern hat tiefe psychologische Ursachen – etwa die Überforderung junger Mädchen mit ihrem sich rapide verändernden Körper in der Pubertät. Eine verantwortungsvolle Berichterstattung hätte auf die gesundheitlichen Risiken wie Unterernährung, Hormonstörungen oder langfristige Organschäden hingewiesen und den Zusammenhang mit gesellschaftlichem Druck thematisiert. Stattdessen wird dieses Verhalten unreflektiert als Teil einer Identitätsfindung dargestellt. Junge Leserinnen könnten ermutigt werden, selbstschädigendes Verhalten als legitime Antwort auf Unsicherheiten zu betrachten, anstatt Unterstützung zu suchen.

Selbstverletzendes Verhalten ohne Warnhinweise

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Beschreibung des Brustbindens („Binding“), das ebenfalls ohne Warnung wiedergegeben wird. Das Abbinden der Brüste ist ein selbstverletzendes Verhalten mit erheblichen physischen Folgen. Medizinische Fachleute, etwa die American Academy of Pediatrics (2021)[3] warnen, dass regelmäßiges Binding zu Verformungen der Rippen und des Rückens, Atemschwierigkeiten und chronischen Schmerzen führen kann. Zudem erschwert es sportliche Betätigung, was die körperliche Gesundheit zusätzlich beeinträchtigt.

Psychologisch kann Binding eine bestehende körperdysmorphe Störung verstärken oder aufrechterhalten, indem es die Ablehnung des eigenen Körpers normalisiert. Ohne diese Risiken zu erwähnen, vermitteln Sie jungen Leserinnen ein trügerisches Bild und lassen sie im Unklaren über die Konsequenzen solcher Praktiken und stellen dies als Methode zur Bewältigung von Unwohlsein dar. Eine verantwortungsvolle Berichterstattung sollte diese Risiken benennen und Alternativen wie psychologische Unterstützung aufzeigen.

Verharmlosung invasiver Eingriffe wie Brustamputationen

Schließlich sehen wir die unkritische Darstellung medizinischer Eingriffe wie Hormongaben oder plastische Chirurgie als äußerst problematisch an. Diese werden häufig als selbstverständliche Lösungen präsentiert, ohne auf die Komplexität oder die zugrunde liegenden psychologischen und sozialen Faktoren hinzuweisen. Studien wie die von Littman (2018)[4] deuten darauf hin, dass die sogenannte „Gender-Dysphorie“ bei Mädchen in der Pubertät oft mit Einflüssen aus dem sozialen Umfeld oder psychischen Vorerkrankungen zusammenhängt. Gleichzeitig fehlen Langzeitdaten zu den Auswirkungen solcher Eingriffe.

Laut Cass-Review[5] - eine unabhängige Überprüfung der Genderidentitätsdienste für Kinder und Jugendliche des NHS in Großbritannien, hat sich die Zahl der Mädchen, die in der Pubertät ihren weiblichen Körper ablehnen und medizinische Eingriffe anstreben, in den letzten zehn Jahren vervielfacht. Häufig stehen dahinter nicht nur Identitätsfragen, sondern auch die Überforderung mit den körperlichen Veränderungen der Pubertät, verstärkt durch gesellschaftliche Schönheitsideale und medialen Druck.

Ihre Berichterstattung erweckt den Eindruck, dass medizinische Interventionen, wie die einnahme des männlichen Sexualhormons Testosteron, die einzige Antwort auf Unsicherheiten seien, ohne auf die Risiken und irreversiblen Folgen wie zum Beispiel Haarausfall, Bartwuchs, Veränderung der Stimme, Vergrößerung der Klitoris sowie Unfruchtbarkeit hinzuweisen. Eine ausgewogene Darstellung würde diese Aspekte beleuchten und die Notwendigkeit einer fundierten Aufklärung betonen.

Ein Plädoyer für verantwortungsvolle Berichterstattung

Wir bitten Sie, in Ihrer Berichterstattung künftig mehr Verantwortungsbewusstsein walten zu lassen und Warnungen auszusprechen, wo sie angebracht sind. Medien haben einen erheblichen Einfluss auf junge Menschen, insbesondere auf Mädchen, die mit Unsicherheiten über ihren Körper kämpfen. Eine verantwortungsvolle Berichterstattung würde Expertenmeinungen einbeziehen, gesundheitliche Risiken klar benennen und auf die psychologischen sowie sozialen Dimensionen solcher Themen eingehen.

Wir laden Sie herzlich zu einem Dialog ein, um gemeinsam Wege zu finden, wie die Berichterstattung verantwortungsvoller gestaltet werden kann. Unser Ziel ist es, Mädchen zu schützen und eine Diskussion anzuregen, die der Komplexität dieser Themen gerecht wird.

Mädchen verdienen es, in einer Welt aufzuwachsen, in der sie ihren Körper nicht als Fehler wahrnehmen.

Mit freundlichen Grüßen,
Aktionsgruppe "Was ist eine Frau?"

Der Artikel „Aus Leonie wird Lio: 18-Jähriger ändert Geschlechtseintrag“ wurde auf folgenden Websites veröffentlicht:

Landtag Baden-Württemberg:

https://www.landtag-bw.de/de/aktuelles/dpa-nachrichten/aus-leonie-wird-lio-18-jaehriger-aen dert-geschlechtseintrag-564042

Der Stern:

https://www.stern.de/gesellschaft/selbstbestimmungsgesetz--aus-der-18-jaehrigen-leonie-wir d-lio-35556946.html

Badische Zeitung:

https://www.badische-zeitung.de/aus-leonie-wird-lio-18-jaehriger-aendert-geschlechtseintrag

Süddeutsche Zeitung:

https://www.sueddeutsche.de/leben/selbstbestimmungsgesetz-aus-leonie-wird-lio-18-jaehrig er-aendert-geschlechtseintrag-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250317-930-405713

Weinheimer Nachrichten Odenwälder Zeitung:

https://www.wnoz.de/nachrichten/baden-wuerttemberg-und-hessen/aus-leonie-wird-l io-18-jaehriger-aendert-geschlechtseintrag-637343.html


[1] https://www.bundestag.de/resource/blob/1030100/47b213fcb2e7f7b06af124854c1df211/WD-8-057-24-pdf.pdf

[2] https://www.nimh.nih.gov/health/topics/eating-disorders

[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33542145

[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30114286/

[5] https://webarchive.nationalarchives.gov.uk/ukgwa/20250310143933/https://cass.independent-review.uk/home/publications/final-report/

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